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Dies ist meine Begründung, die ich für meinen KDV-Antrag abgegeben habe.
Er ist gleich beim ersten Mal akzeptiert worden. Auf Grundlage dieser Begründung hat
ein anderer seinen zweiten Anlauf auch ohne Probleme geschafft. Er soll euch dazu dienen eine Grundlage für eure eigene Begründung zu schaffen. Kommentare/Vorschläge/Fragen schickt ihr mir am Besten per eMail. |
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Sven Wegener [Strasse] [PLZ] [Ort] Personenkennziffer: [PKZ] Antrag auf Kriegsdienstverweigerung: Ausführliche Begründung Mein Name ist Sven Wegener und ich besuche zur Zeit die 13. Klasse des Gymnasiums und werde voraussichtlich im Juni 2000 mein Abitur ablegen. Die Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, ist das Ergebnis reiflicher Überlegungen sowie meiner bisherigen Erfahrungen und meiner Erziehung. Meine Eltern haben mich von frühester Kindheit an gewaltfrei erzogen und mir immer wieder klargemacht, daß Gewalt kein Mittel ist, um einen Konflikt, welcher Art auch immer, zu lösen. Sie sagten mir immer, daß es etwas Böses ist, jemand anderem weh zu tun. Auch wenn mich zum Beispiel im Kindergarten ein anderes Kind schlagen würde, sollte ich nicht zurückschlagen, sondern lieber die Sache auf sich beruhen lassen und dem anderen Kind in Zukunft aus dem Weg gehen. Genauso habe ich mich in solchen Situationen, die Gott sei Dank nur selten vorkamen, auch immer verhalten und habe versucht solche Situationen von vornherein zu umgehen. Meine Eltern erlaubten mir auch nicht mit "Spielsachen" wie kleinen Panzern, Spielzeugpistolen, usw. zu spielen, da diese Spielsachen nicht dazu geeignet seien einen Menschen zum Guten zu erziehen. Später verstand ich, daß diese Spielsachen den Krieg verharmlosen und sich somit Gewalt als Lösung eines Problems unbewußt in den Köpfen der Kinder einschleicht und nicht mehr als etwas Böses angesehen wird. Mit zunehmendem Alter habe ich diese zunächst nur anerzogenen Maßstäbe von Gut und Böse als meine eigenen übernommen und durch eigene Erfahrungen mein Gewissen weiter geprägt. Während meiner Kindheit hatte ich engen Kontakt mit meinen Großeltern, von denen ich viel lernte. Bei Spaziergängen im Wald erklärte mir mein Großvater immer viel über die vorkommenden Pflanzen und Tiere, meine Großmutter erklärte mir vor allem immer viel über die Sterne und die Sternbilder. Aber meine Großeltern erzählten mir auch von ihren Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Sie erzählten davon, daß sie oft nicht wußten wie es weitergehen soll und daß sie in ständiger Angst lebten. Diese Erzählungen erschreckten mich immer sehr, am schlimmsten jedoch fand ich es, wenn sie davon erzählten, wie sie ihre Freunde und sogar Verwandten verloren haben. Meine Großmutter hat 1940 ihren 18jährigen Bruder und 1941 ihren ersten Mann verloren, als sie selbst erst 20 war. Darüber ist sie nie hinweggekommen. Mein Großvater berichtete mir von den schlimmen Verletzungen, die die Soldaten erlitten, und er war auch selbst verwundet. Besonders furchtbar war es für ihn, wenn einem Soldaten nicht mehr geholfen werden konnte und er unter seinen Augen verstarb. Nach Kriegsende war mein Großvater noch bis 1949 in Gefangenschaft. Wie schmerzvoll es ist, einen nahestehenden Menschen zu verlieren erfuhr ich im März 1998 selbst, als meine Großmutter sich plötzlich und unerwartet das Leben nahm. Es war für mich zuerst gar nicht zu verstehen, daß sie nicht mehr kommt sondern einfach aus meinem Leben verschwunden war. Ich möchte keinem anderen Menschen dieses Leid zufügen. Es ist für mich undenkbar auf einen anderen Menschen zu schießen und ihn zu verletzen oder sogar zu töten. Dies müßte ich aber bei der Bundeswehr tun. Ich müßte auf Befehl einen anderen Soldaten erschießen. Aber auch dieser Soldat ist ein Mensch, der ein Recht darauf hat zu leben. Es wäre für mich ein unlösbarer Konflikt, wenn ich im Verteidigungsfall nicht in der Lage wäre den Angreifer zu töten und somit nicht verhindern könnte, daß dieser dann meine Kameraden tötet. Durch viele Reisen mit meinen Eltern habe ich schon viele Erfahrungen mit fremden Völkern gesammelt. Wir haben viele Länder Europas bereist und sind in Kontakt mit den verschiedensten Menschen gekommen. Die Vorstellung, einen dieser Menschen, die mir dort begegneten, als Feind anzusehen ist für mich undenkbar. Gerade in einer Zeit, in der Europa am zusammenwachsen ist, sollten die Menschen weiterhin den Prozeß der friedlichen Annäherung unter Achtung und Rücksichtnahme des anderen fortsetzen. Auch heute gibt es leider immer noch Kriege. Vor allem der Krieg in Ex-Jugoslawien hat mich sehr geschockt. In den letzten Jahren verging kaum ein Tag, an dem keine neuen Schreckensbilder aus Jugoslawien in den Nachrichten gezeigt wurden. Es ist für mich furchtbar diese Bilder anzusehen. Besonders schlimm war für mich ein Beitrag, der zeigte, wie ein UN-Soldat erschossen wurde. Einen anderen Menschen so sinnlos zu töten ist für mich das Schlimmste und Unmenschlichste was man tun kann. Wie furchtbar der Krieg ist, zeigt auch der Film "Stalingrad", der Teile des Zweiten Weltkriegs schildert. Diesen Film habe ich angesehen, nachdem mein Geschichtslehrer im Unterricht, als der Zweite Weltkrieg durchgenommen wurde, darauf hingewiesen hatte. Der Film zeigt, wie das Leben der Soldaten für die Durchsetzung fragwürdiger Ziele aufs Spiel gesetzt wurde, obwohl sie wie alle anderen Menschen auch ein Recht darauf haben zu leben, und die meisten Soldaten ihr Leben in der Tat verloren. Der Film macht für mich noch einmal in aller Form deutlich, daß der Krieg keine Möglichkeit ist, einen Konflikt zu lösen. Gerade die Menschen als intelligente Lebewesen sollten dafür sorgen, daß wir uns nicht gegenseitig zerstören sondern uns gegenseitig helfen. Konflikte können meiner Meinung nach nicht durch Gewalt sondern nur durch Verhandlungen gelöst werden, bei denen man den Verhandlungspartner achtet, das Recht auf freie Meinungsäußerung im Kopf behält und kompromißbereit ist. Diese Erfahrungen haben mein Gewissen geprägt und mich zu dem Entschluß gebracht, daß ich alles daran setzen sollte, daß so etwas nie wieder vorkommen kann. Ich kann es mit meinem Gewissen und meiner Achtung vor dem Leben nicht vereinbaren eine Waffe in der Hand zu halten und damit andere Menschen zu bedrohen, zu verletzen oder sogar zu töten. Ein Mensch hat nicht das Recht, einen anderen Menschen zu verletzen oder zu töten. Vielmehr hat der Mensch die Pflicht, das Leben zu schützen. Aus dieser Überzeugung heraus beantrage ich die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Ich bitte Sie, meine Entscheidung zu akzeptieren und meinem Antrag gegen den Dienst mit der Waffe stattzugeben. |